Ein Hauch Unsicherheit

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Ein Shuttle bringt uns vom Flugzeug zum Terminal in Rom Fuiumicino. Es ist Dienstagmorgen und im Vergleich zu Deutschland angenehm warm, doch sobald ich durch die Türen in das Flughafengebäude trete, bildet sich mir eine Gänsehaut. Polizei und Militär geben sich die Ehre, sind aufmerksam und bewaffnet. Teilweise tragen sie Mundschutz, wie einige andere Reisegäste auch. Nicht so wie in Deutschland.

Sofort ist sie da, diese unterschwellige Angst vor dem Unbekannten.

Lange Schlangen bilden sich. Noch vor der Gepäckausgabe werden von jedem Passagier Wärmescans gemacht, Auffällige unter die Lupe genommen. Überall tummeln sich Masken und Desinfektionsspender, Sauberkeit wird großgeschrieben, Informationstafeln zum Virus überall.

War ich vorher noch nicht richtig beunruhigt, bin ich es spätestens jetzt. Im Bus nach Rom verschreckt mich jeder Huster. Dabei ist gerade Erkältungszeit und diese Symptome eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch die Berichte der Medien, die beginnende Hysterie und das Gekreische nach Pandemie, fordern schon jetzt ihren Tribut. Zumindest bei mir.

Ich habe mich eigentlich darauf gefreut, nach zehn Jahren wieder in der „Ewigen Stadt“ zu sein. Ich wollte so viele Orte wie möglich wiedersehen und andere entdecken, doch was ist mit dem neuen C-Wort?

In einem meiner Lieblingsbücher steht: „Fear of a name only increases fear of the thing itself.“ J.K.Rowlings Worte sind wahr … Es gibt weitaus gefährlichere Krankheiten. Inbesondere solche, bei denen keine Chance auf Heilung besteht, aber bekommen diese ihren eigenen Krisenstab? Eine Seite mit Liveticker und Verhaltensmaßnahmen?

Von einem Namen wollte ich mir den Romaufenthalt nicht kaputt machen lassen. Das sollte niemand.

Sightseeing trotz Corona?

Nachdem ich gepostet habe, dass ich Rom besuche und damit in Italien bin, bekam ich unglaubliche viele Nachrichten. Einige wünschten mir erholsame Tage, andere fragten mich, ob ich verrückt sei und keine Angst hätte. Meine Antwort war meist, dass der Virus bisher nur im Norden grassiert und es weitaus schlimmere Krankheiten gibt, doch mit Blick auf die Menschen in meiner Umgebung, wurde mir mulmiger.

Gerade im Bereich der Sehenswürdigkeiten sind Masken immer präsenter, wenn auch nicht allgegenwärtig. Viele Ticketverkäufer in Museen nutzen Handschuhe. Karte wieder lieber gesehen las Bargeld, das durch viele Hände geht. Alles irgendwie verständlich, aber auch befremdlich.

Bei der Generalaudienz des Paptes am Mittwoch war der Petersplatz verhältnismäßig leer … Dafür überall Polizei, Militär und Schweizer Garde. Teilweise mit Mundschutz.

Andere Termine in dieser Woche sagte der Papst aus gesundheitlichen Gründen ab und zack war die Angst perfekt…

Wo seid ihr alle?

Was deutlich auffällt: Trotz des tollen Wetters und der Temperaturen sind deutlich weniger Touristen unterwegs. Schlangen bilden sich trotz umfangreicher Sicherheitskontrollen (auch am Petersplatz!!) kaum.

Ausnahmen habe ich im Bereich der Vatikanischen Museen, die ich für eine Buchrecherche aufgesucht habe, sowie dem Kolosseum, gefunden. Hier drängen sich die Menschen. Die mit Mundschutz und die ohne. Es klingt komisch, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.

Nach Tag eins habe ich übrigens Fernseher und Nachrichten gemieden und mich stattdessen strickt an die Verhaltensregeln (Abstand zu Menschen mit Symptomen, Hände waschen + sinnvoll desinfinizieren und Trainieren sich nicht ins Gesicht zu fassen usw.) gehalten. Ich wollte mir den Aufenthalt nicht weiter mit Hysteriegedanken vermiesen und ganz ehrlich? Es war eine gute Entscheidung. Je weniger Gedanken ich mir darum gemacht habe, desto weniger desto mehr konnte ich Rom und die Sonne genießen.

Angst vor etwas Unsichtbarem ist grausam. Sie ist einfach da und wir können kaum etwas dagegen unternehmen. Es liegt in unserer Natur sich davor zu fürchten, aber was macht dieser Psychoterror mit uns?

Ja, es ist ein Virus. Ja, er ist gefährlich und hat Auswirkungen, aber hat das die Grippe nicht auch? Was war mit Vogelgrippe? Schweinegrippe? Und was ist mit all den anderen Namen? Und die wichtigste Frage: wo sind die jetzt? Einfach ausgelöscht, weil wir sie nicht mehr aussprechen?

Mal ganz ehrlich: Ich wünsche niemandem eine Krankheit und finde Sicherheitsmaßnahmen gut und wichtig. Aber diese unterschwellige Angst? Sie macht aus uns Menschen, die einander nicht mehr vertrauen und Abstand halten. Man redet davon Grenzen dicht zu machen, Länder zu meiden, aber ist das der richtige Weg?

Als ich Donnerstagabend in Berlin gelandet bin, habe ich vieles erwartet, aber nicht das: 100 Meter mit dem Shuttle und ab in das Terminal. Keine Polizei, kein Wärmescan, keine Fragen, aber dafür unsauber Sanitäreinrichtungen ohne Desispender.

Keine nette Begrüßung. Da es aber scheinbar niemanden gekümmert hat, woher die Maschine kam und was da los ist, auch kein Wunder. Mit meinem Handgepäck war ich innerhalb von 5 Minuten aus dem Flughafen raus. Willkommen in Deutschland.


Meine Bilanz

Ich habe ein Rom viele Menschen getroffen: Manche voller Panik mit Desimittel und Schutzkleidung. Andere hingegen scheinen sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. Sie tatschen in Metro und Co. beherzt zu und verschlingen dann ihr Essen. Händewaschen? Desinfektion? Keine Spur!

Vor allem der jüngeren Generation scheint es weniger auszumachen. Sie scheren sich kaum um das Virus und deuten lachend auf Schutzmasken. Vom Rest schiebt der eine Teil Panik, während der andere total genervt vom C. Wort ist.

Das Unbekannte schürt Angst, aber jeder geht anders damit um oder lässt es an sich heran. Ich habe es anfangs zu sehr an mich heran gelassen, es dann allerdings abgeschüttelt. Krank kann ich überall werden. Man muss es nicht provzieren, aber gänzlich verhindern kann man nichts.

Lasst keinen Namen über euch bestimmen. Wir werden sehen, was die Zeit bringt.

Wenn man sich an einigen Verhaltensregeln orientiert, kann man seinen Urlaub auch genießen.
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